ALAN BUTLER
On Exactitude in Science
thru june 4th, 2022

 

ALAN BUTLER
On Exactitude in Science and related works
thru june 4th, 2022

Friday, April 29, 2022 from 3 – 8 p.m. opening in presence of Alan Butler
On Saturday April 30, 2022, 5 p.m., Artists’talk at CONRADS: ALAN BUTLER in conversation with JOSCHA STEFFENS about Gaming Culture based on Alan’s 2017 film “On Excatitude In Science”

Alan Butler aus Dublin und Joscha Steffens aus Amsterdam befassen sich beide mit virtuellen Entwicklungen, die immer stärker auf gesellschaftliche Prozesse einwirken und diese verändern.
Der Aspekt, dass die virtuelle Welt zunehmend an Raum und Bedeutung im Verhältnis zum sozialen Miteinander in der Realität gewinnt, wird im Bereich der Spielkultur bei Computerspielen sehr deutlich sichtbar.
Beide Künstler setzen sich aus verschiedenen Perspektiven in ihrer künstlerischen Arbeit mit der internationalen Gaming Community in ihren diversen Ausprägungen auseinander.

Gallery Weekend Berlin
28.04/29.04./30.04./01.05.

NEW LOCATION:
Horstweg 33
14059 Berlin–Charlottenburg

Gallery Weekend Berlin 2022
Alan Butlers „On Exactitude in Science“ (2017) und „Deskscape“ Paintings bei CONRADS

"Alan Butlers Videoinstallation "On Exactitude in Science" von 2017 ist eines der bemerkenswertesten Dinge, die ich in den letzten Monaten gesehen habe. … Vielleicht mehr als alles andere ist Butlers Installation eine kraftvolle ästhetische Antwort auf den Klimawandel. Sie wirft all die Probleme auf, die von erschreckender Relevanz sind: Sie konfrontiert uns mit der nackten, verblüffenden, völlig dezentrierten Realität der Möglichkeit, dass die Menschheit ausstirbt.“

Zitat: Tom Whyman Can We Truly Think About Climate Change At All?



„On Exactitude in Science“ (2017)

 Die Videoinstallation auf zwei Bildschirmen ist eine synchrone Präsentation von Godfrey Reggios Koyaanisqatsi von 1983 und Alan Butlers Koyaanisgtav von 2017.


 Der Experimentalfilm Koyaanisqatsi ist ein visueller Essay in Zeitlupe und Zeitraffer über die vielen Städte und Naturlandschaften der Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist eine Erzählung, die ohne traditionelles, dialog- und charakterzentriertes Drehbuch entwickelt wurde. Die Aufnahmen dafür entstanden im Laufe von sechs Jahren in ständigem Dialog mit der sich entwickelnden Filmmusik von Philip Glass.


 Das Thema von Koyaanisqatsi ist das Anthropozän, das geologische Zeitalter, in dem die Menschheit die physische und ökologische Ordnung der Umwelt völlig verändert hat, und zwar nicht als Projekt, sondern als Nebenprodukt von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen.


 Die starke sinnliche Sogkraft, Tempo und Informationsdichte der Filmbilder sind es, die den Künstler zunächst angesprochen haben, der sich selbst als Gamer bezeichnet.


 Alan Butler "Dieser Modus ist Videospielen im Sinne der Unterhaltung nicht ganz unähnlich. Auch die Tatsache, dass der Schwerpunkt auf der Verwendung von Fotografie zur Dokumentation einer Gesellschaft liegt, die sich in den Wirren des Kapitalismus befindet, ist etwas, das mit der Art von Simulationen übereinstimmt, die ich gerne spiele. In gewisser Weise de-anthropozentriert der Film unsere Existenz und untersucht unsere Spezies und unsere Aktivitäten auf eine ontologische Weise. So sehr die Menschen zumeist als Individuen mit Träumen, Gefühlen und Liebeskummer dargestellt werden, so sehr erlaubt uns Koyaanisqatsi, uns als Organismen innerhalb eines Ökosystems zu sehen. Der Handlungsbogen von Koyaanisqatsi führt uns in die frühen 1980er Jahre, in eine Welt der Mikrochips und des Börsenhandels. Die neuen algorithmischen Lebensformen, die sich seither entwickelt haben, führen uns zu Grand Theft Auto, und so bietet sich die Gelegenheit, reflexiv über unsere Nähe zu neuen und alten, realen und virtuellen Welten nachzudenken. … Ich sehe in diesen Welten so viel Erkundungspotenzial, und ich möchte wissen, wo der Zugang zu künstlerischer Autonomie innerhalb eines virtuellen Realitätsraums liegt. Je mehr wir in und um digitale Netze und ihre Schichten herum existieren, desto wichtiger erscheint mir diese Frage zu sein.“


 Und so nutzt Butler die virtuellen Welten des beliebten Videospiels Grand Theft Auto V, das auf einer Nachbildung von Los Angeles und der ländlichen Umgebung im Südwesten Amerikas beruht, um daraus ein originalgetreues Remake von Koyaanisqatsi zu schaffen. Ein Großteil der Erzählung und der Ästhetik des Spiels lehnt sich an filmische Topics an. Abgesehen von den geskripteten, storygesteuerten Erzählungen gibt es noch einen Modus im Spiel, der als "Open-World"bekannt ist. Das bedeutet, dass die Spieler die virtuelle Welt als einen Raum außerhalb der Spielhandlung erkunden und darin frei interagieren können. Moderne Videospiele, die in realen Städten angesiedelt sind – wie GTA oder Watch Dogs, sind von außerordentlichem sozialen Realismus. Bei der Erkundung dieser sogenannten „offenen Welt" wird der wahre Sinn dieser Spiele als sozialrealistische Kunstwerke erlebbar. So gibt’s beispielsweise auch in GTA V einen Bevölkerungsanteil von Obdachlosen an der Peripherie - bezeichnender Weise als nicht spielbare Charaktere.


 Butler beschreibt seinen ersten Aufenthalt in L.A. so:

 „Ich war schon viele Male hier. … Ich werde von einem früheren Wissen über diesen Ort heimgesucht, bevor ich ihm auf meinen Beinen begegnet bin. Die Geschäfte, die Gespräche der Passanten, die räumliche Anordnung, die Obdachlosen, das Unterhaltungsangebot und so weiter. Es ist das Baudrillardischste, was ich persönlich erlebt habe. Seine Ideen darüber, wie wir das "Reale" erst durch seine Simulation erfahren, sind für mich in diesem Moment vollständig und vollkommen wörtlich geworden.“


 Um die 86 Minuten des Films neu drehen zu können hat Alan Butler ein Skript angelegt, in dem der Timecode mit einer textlichen Beschreibung der entsprechenden Einstellung für jeden einzelnen Schnitt im Film aufgeführt ist, für Tausende von verschiedenen Szenen.

 Einen großen Anteil der Szenen konnte er dem Spiel entnehmen. Er nutzte außerdem den Filmregie-Modus im Spiel für weitere Szenen. Und, er konnte Modifikationen der Mod-Communities für dieses Spiel nutzen, die ihre Modifikationen aus Begeisterung und nicht aus Gewinnstreben online teilen . „ Das bedeutete, dass ich mit Map-Editoren benutzerdefinierte Szenen aus der Bibliothek von 100.000 Objekten erstellen konnte, die bereits in der Welt vorhanden waren. … So geht ein großer Teil meines Films weit über die Version hinaus, die man im Handel kaufen kann. Es ist schon erstaunlich, was aus diesen Spielen wird, wenn die Gesellschaft beginnt, weiter zusammenzuarbeiten und die Welt neu zu erfinden.

 Ich musste benutzerdefinierte Kamera-Rigs programmieren, Einschränkungen bei der Kameraentfernung heraus kodieren, neu kodieren, wie das Spiel RAM- und GPU-Ressourcen auf dem PC nutzt, und das Programm wirklich auseinandernehmen, damit das Spiel sich selbst auf eine klarere Weise betrachten konnte. … Rückblickend ist es wirklich wahnsinnig. Ich muss wie besessen gewesen sein.“


 – Die Zitate von Alan Butler sind einem Gespräch mit Alessandro Vincentelli entnommen, das 2019 in englischer Sprache im BALTIC Gatehead geführt wurde. –


 Alan Butlers “Deskscapes”-Paintings

 Neue Bilder der Serie (seit 2016) in den Ausstellungsräumen der Galerie


 Die Motive der abstrakten, psychedelisch anmutenden und extrem aufwendigen Markerzeichnungen auf Leinwand generiert Alan Butler aus Landschaftsmotiven aus dem Yosemite Park, mit denen der Apple Konzern seit 2013 jedes seiner neuen Betriebssysteme als Standardhintergrund ausstattet. Darauf bezieht sich der Werktitel "Deskscapes" gebildet aus den Begriffen Desktop und Landscape. Yosemite wurde schon 1864 unter Abraham Lincoln als schützenwertes Nationalerbe deklariert und somit als Teil der US-amerikanischen Kulturlandschaft vereinnahmt – ohne Rücksicht auf die indigene Bevölkerung, die mit Einsetzen des Goldrauschs und der Besiedlung des Westens vertrieben und dezimiert wurde. Apple wiederum nutzt Bilder dieser ikonischen Naturlandschaft ohne deren imperiale Aneignug durch die westliche Einwanderungsbewegung in Frage zu stellen.


 Die Umsetzung der fotografischen Bildquelle zu abstrakten Motiven, die an Op-Art erinnern, erzeugt der Künstler mittels einer von ihm modifizierten, mehrschrittigen Segmentierungs-Software, die allgemein zur Güterverwaltung eingesetzt wird, und malt sie in monumentaler Vergrößerung.


 Mona Schubert in EIKON 115:

 „Über die abstrahierende Verschleierung des Bildursprungs und das Reenactment einer malerischen Tradition legen Alan Butlers Deskscapes nicht nur die Fortschreibung(kunst-)historisch verankerter, kolonialer Motive durch westliche Technologiekonzerne und ihre kapitalistische Ausbeutung offen, sondern auch die Komplizenschaft der UserInnen, die diese hegemonialen Strukturen mit jedem neuen Update ihres Betriebssystems oft unbewusst reproduzieren.“

Alan Butler
On Exactitude in Science (2017)
Two-screen HD video, 5.1 audio.
Edition 1 of 5 + 1 A.P.
Koyaanisqatsi (© IRE 1983, All Rights Reserved)
courtesy of Godfrey Reggio and the Institute for Regional Education.

THERE IS CURRENTLY NO EXHIBITION ON DISPLAY.

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