ANNA VOGEL
STRATEGIEN FÜR TRABANTEN
16/01/–07/03/2015

 

ANNA VOGEL
STRATEGIEN FÜR TRABANTEN
16/01/-07/03/2015

ANNA VOGEL<br/>Conrads 2015
ANNA VOGEL<br/ >Conrads 2015
ANNA VOGEL<br/ >Conrads 2015
ANNA VOGEL<br/ >Conrads 2015
ANNA VOGEL<br/ >Conrads 2015
ANNA VOGEL<br/ >Conrads 2015

Für ihre neue Werkgruppe „Strategien für Trabanten“ greift Anna Vogel wieder selbst zur Kamera. Die Bilder zeigen rätselhafte Zwitterwesen. Helme mutieren zu glatten eiförmigen Objekten in schwerelosem Schwebezustand, menschliche Körper werden mit glänzenden Schutzanzügen verfremdet und formieren sich kopflos zu einer Art galaktischen Balletts oder überwinden in dynamischen Bewegungen die Gesetze der Schwerkraft.

All dies findet in einem nicht definierten Raum statt. Das Bild schafft mittels einer objekthaften Rahmung mit hochglänzender spiegelnder Oberfläche einen eigenen Ort für das Geschehen. Die Bildwelt ist überwiegend unfarbig, lediglich einige farbige Akzente, die die Künstlerin nachträglich durch digitale oder manuelle Überarbeitung hinzugefügt hat, brechen die in Schwarzweiß gehaltenen Bilder auf.

Obwohl die neuen Fotoarbeiten von Anna Vogel zunächst überraschend anders als ihre früheren Collagen und Fotomanipulationen erscheinen, sind sie bei näherer Betrachtung eine konsequente Weiterentwicklung ihrer bisherigen Bildfindungen. Neu ist die aufwendige Inszenierung, die den Bildern voran geht. Anna Vogels Umgang mit Fotografie war jedoch auch in früheren Arbeiten nie abbildend, vielmehr dienen ihr fotografische Bilder als Impulsgeber und Ausgangsmaterial für ihre digital oder manuell bearbeitete Collagen. Die bisher vorherrschenden Landschaftsmotive in Anna Vogels Bildern sind keine romantischen Rückzugsorte eher Momente, die in der Erinnerung verblasst oder verwandelt zum Motiv werden.

Die Bildmotive ihrer neuen Werkgruppe erhalten erst in der von der Künstlerin vorgenommenen Inszenierung und Nachbearbeitung die jeweils gewünschte Gestalt. Oberflächen, Licht und Perspektive werden bis in die kleinste Nuance festgelegt. Die Bilder bieten dem Betrachter keinen Einblick in eine existierende Welt sondern vielmehr Ausblicke auf mögliche Daseinszustände. Das flüchtige, fraktale, ungebundene Sein ist als Chance zur physische Entgrenzung zu verstehen. Dieser steht die Wahrnehmung der Zerbrechlichkeit unserer Existenz gegenüber. Jet-Helme, Neoprenanzüge, dynamische Körper suggerieren Leichtigkeit, Schwerelosigkeit, Schnelligkeit und Bewegung. Gleichzeitig wird der Körper gepanzert, geschützt und optimiert. Eine zweite Haut schützt ihn und schottet ihn gleichzeitig von der Außenwelt ab. Abgeschirmt von Geräuschen, geschützt vor Hitze oder Kälte verliert er fundamentale Wahrnehmungen.

In der neuen Welt benötigt der Mensch offensichtlich andere Fähigkeiten und Erfahrungen, um seine Existenz zu sichern. In Anna Vogels neuen Arbeiten klingt stärker als zuvor so etwas wie die utopische Dimension der Kunst an, die für die Moderne so bestimmend war. Erwähnt seien hier nur die Experimente der Futuristen und die schwerelosen, entmaterialisierten Objekte der Zero-Bewegung. Allerdings unterscheiden sich Vogels künstliche Welten in wesentlichen Punkten. Der Preis, den der Mensch für seine Sehnsucht nach Entgrenzung zu bezahlen hat, ist hoch und der Versuch riskant. Mutiert zu hoch artifiziellen Körpern, gepanzert in verführerisch schönen Rüstungen, verliert er jede Erdung, wird zum Trabanten auf der Suche nach einem neuen Planeten, an dem er andocken und seine Umlaufbahn neu bestimmen kann.

Text: Galerie Conrads

error: Content is protected !!