GUY YANAI
LIFE IN GERMANY
04/09–31/10/2020

 

GUY YANAI
LIFE IN GERMANY
04/09–31/10/2020

Eröffnung zum DC OPEN- Wochenende:
DC Open Doors
Freitag, 4. September 2020 von 11– 22 Uhr
Samstag, 5. September 2020 von 11 – 20 Uhr
Sonntag, 6. September 2020 von 11 – 18 Uhr

Die Ausstellung ist für die Presse ab Mittwoch, den 02. September 2020
nach telefonischer Vereinbarung unter 0177-3230720 zu besichtigen.

 

Guy Yanai –
the international career of the Tel Aviv-based painter began relatively late, yet for some years now it has been developing an immense dynamic. Solo shows among others in London, Paris, New York and Los Angeles bear witness to the avid interest in his work. During the past years he has become an insider tip for art collectors. Conrads representation of Guy Yanai in Germany started with the solo show “Boy on an Island” in March 2018.
Despite their apparent disjointed diversity, there is a fundamental constant uniting Yanai choice of motifs, namely the ubiquitous cliché of a better life beyond our quotidian reality that the sheer multiplicity of media images constantly suggests to us. His paintings provoke us by dint of their inherent prosaic immediacy. The strictly controlled method of painting and a tonally reduced but bright palette harness the vivid figuration in these works in a moment of stasis and simultaneous concentration that in combination Transfer the fleeting nature of the given motif in iconic symbolism.
In September 2020, Galerie Conrads hosts the second solo exhibition with Guy Yanai. The exhibition title is “Life In Germany“

 

GUY YANAI Life in Germany

Dies ist der Text zu einer Ausstellung, die nichts mehr mit der ursprünglich geplanten gemein hat. Das Datum, die Idee, die Kunstwerke – nichts davon ist geblieben – außer dem Ausstellungsort.
Für seinen „deutschen Moment“ in der Galerie Conrads in Düsseldorf wollte Guy Yanai die Zeitspanne von 1990 –2020 thematisieren, die 30 Jahre der Wiedervereinigung seit dem Fall der Mauer aus seiner Sicht, eine Art Huldigung.

Offen gestanden hatte er keine besonderen Erinnerungen an seine ersten beiden Aufenthalte in diesem Land. Berlin: zu viele Parks und erwartungsgemäß die Clique von Künstlern aus Tel-Aviv, die er nicht unbedingt um sich haben wollte. Oder das wenig charmante Hotel in Düsseldorf, in dem man ihm ein “Gartenzimmer” andienen wollte während er die zu präsenten, furchteinflößenden Adler auf dem Teppichboden der Lobby studierte.

Sein Leben in Deutschland würde unspektakuläre Interieurs, Büroräume von fragwürdiger Ästhetik zeigen. Ein banales Leben in einer banalen Umgebung, beinahe hässlich. Er recherchierte Stunden auf Websites deutscher Firmen, um schließlich die ein oder andere Topfpflanze in einer Ecke oder den geduldigen Stuhl in einer anderen zu malen.

Das gesamte Werk war fast fertig, kleine und große Gemälde. Und dann, im März diesen Jahres, blieb die Welt stehen. Lock down. Projekte und Kunstmessen wurden abgesagt, Flugzeuge flogen nicht mehr. Auch die Ausstellung wurde verschoben. Und wie der Rest der Welt befand sich der Künstler in Quarantäne. Oder sollten wir eher sagen, er wurde zum Menschen im Hausarrest? Dieser tatkräftige Maler, der bis dahin Gemälde produzierte hatte, die kaum in seinem Studio getrocknet schon unterwegs zu Ausstellungen, Kunstmessen oder zu einem Sammler waren.

Was war eigentlich mit dem Künstler passiert in letzten Jahren, in denen alles immer so schnell aufeinanderfolgte? Nun, in diesem Moment, konnte man ihn geografisch lokalisieren: auf dem Bett liegend, den Kopf voller Fragen. Wenn es keine Ausstellungen, keinen Ausstellungsaufbau, keine Vernissage gibt, warum dann erschaffen? Warum, warum ist er Maler geworden, wenn die Vorstellung, ohne Deadline zu malen, ihm fremd geworden ist? In einem inneren Monolog forderte der Mensch den Künstler auf: „Schau´ was dabei herauskommt, wenn du nichts zu tun hast!“

Tatsächlich fehlte es dem Künstler nicht an Ressourcen. Während des Stillstands gab es Zeit online so viel zu sehen, wie das Meisterwerk von Jean-Luc Godard „Allemagne anneé neuf zéro“, seine Filmreihe „Histoire(s) du cinéma“, oder „Der amerikanische Freund“, den berühmten Film von Wim Wenders. Liegend reiste Yanai vor sich hin; ein Beitrag folgte auf den nächsten. Ein dänisches Museums streamte ein Gespräch zwischen einem norwegischen Schriftsteller und einem schottischen Künstler, den er eigentlich nicht einmal besonders mochte. Aber Letzterer hatte ein solch rosiges weiches Gesicht auf dem Bildschirm, daß Yanai ihn einfach malen musste. In der Stagnation ist man manchmal frei. Die Algorithmen führten zu einem, diesmal bewunderten, französischen Schriftsteller, der wieder Farbe bekommen hatte, und dessen Mikrofon und Hemd den Künstler inspirierten. Also übertrug er auch den Schriftsteller auf seine Leinwand. Das war neu. Bisher hatte er keine Gesichter, keine Porträts gemalt. Langsam wurden der Mann und der Künstler wieder eins, die einzig wirkliche Gestalt. Er war wieder frei, unbeschwert. Leben in Deutschland hatte sich verändert und ihn wiederbelebt, die Lethargie war neuer Energie gewichen.

Text: Lisa Vignoli, Übersetzung aus dem Französischen