PAUL PRETZER
22/01/–08/03/2011

 

Die einzig mögliche Antwort ist die Frage selbst.

Eugéne Ionescos Standpunkt findet die ungeteilte Zustimmung des jungen Malers Paul Pretzer. Pretzers Figuren und Szenarien führen uns auf die Spuren immerwährender Geschichten, die uns seit jeher begleiten. Pretzer hat die Essenzen verschiedener literarischer Gattungen und unterschiedlicher Stile der Malerei in einem ihm eigenen alchemistischen Verfahren destilliert, um sie unter Hinzufügung jener geheimen Substanz, die nur der Künstler kennt, zu seinen Bildwelten zu transformieren. So lässt sich erklären, dass sich bei den Betrachtern ungeachtet ihres kulturellen und individuellen Hintergrundes ähnliche Reaktionen einstellen. Ohne Zweifel besteht eine Wirkung von Paul Pretzers Werk darin, unsere komfortable Akzeptanz malerischer Traditionen zu stören und darin, unbequeme Fragen an unsere eigenen Beziehungen zu seinen Figuren und ihren Handlungen zu stellen. Erinnerungen an Geschichten aus Tausendundeiner Nacht oder an ETA Hoffmann sind so zutreffend wie Bezüge zum absurden Theater eines Ionesco. Vielleicht stand der „Mr. Natural” des verehrten Robert Crumb Pate für seinen über dem Erdbeerfeld schwebenden, bärtigen Mann. Für seine neueren Bilder verwendet Pretzer Bildmotive Alten Meister um eine Welt zu schaffen, die gänzlich seine eigene ist – eine, die so viel mit den Simpsons zu tun hat, wie mit Velazques. Seine jüngsten Gemälde resultieren aus einem komplexen und dynamischen Dialog mit der spanischen und niederländischen Malerei. Er stellt die absurde “Was wäre wenn“ – Frage. Was wäre, wenn ein niederländisches Stillleben von einer einzigen Scheibe Mortadella mit Gesicht infiltriert würde – Würde sich die ganze Szene in ein fremdes, Feinkosttheken – memento mori verwandeln? Mit dem theatralischen Licht, das er auf einige der Helden der Kunstgeschichte wirft, schafft er ein originelles, zeitgemäßes Werk. (Lisa Gellhard 2010)

Paul Pretzer wurde in Paide, Estland, im Jahr 1981 geboren. Er lebt in Dresden. 2007 beendete er mit dem „Master of Fine Arts“ sein Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Seine Bilder sind mittlerweile in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten, u.a. in der Rubell Family Collection, der Sammlung SØR Rusche, der Sammlung der Bundesbank und der Städtischen Galerie Dresden.

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