Monika Brandmeier: Bilder und Blicke

Die Arbeiten Monika Brandmeiers sind präzise, sie bestechen nicht durch plakative Ästhetik, nicht durch eine weit ausholende inhaltliche Geste oder rhetorische Eleganz. Sie berichten nichts, was außerhalb ihrer selbst angesiedelt ist und erschließen sich dennoch erst auf den zweiten und dritten Blick. In ihrer Unmittelbarkeit und Klarheit hinterfragen Brandmeiers Installationen, Zeichnungen, Fotografien und Videoarbeiten die tradierte, kontextgebundene Sehkultur und stellen das „Ding“ auf den Boden seiner eigenen formal-ästhetischen Tatsachen zurück. „Ich will bestimmte Stücke herstellen, weil ich sie noch nicht gesehen habe. Ich will sie machen, damit es sie gibt.“ Brandmeiers Zugriff auf die Wirklichkeit ist spielerisch-kombinatorisch, entsprechend auch ihre Wahl der Materialien. Über Plexiglas und Reißverschlüsse, über Styropor und Aluminium bis zu Brotrinden und Haarbüscheln scheint sie die gegenständliche Welt in ihrer sinnlichen Komplexität ausmessen zu wollen. Makrokosmos und Mikrokosmos tauschen dabei nicht selten die Perspektive. Die Installationen der Künstlerin sind kompositorische Setzungen im Raum; sie erproben Blickrichtungen und Beziehungsachsen, erforschen Territorien und erzeugen Brüche. Raum – mathematisch gedacht als ein lineares Vektorengebilde – macht die Linie selbst zum Raum, der eine Fläche umschreibt. Volumen ist dann nicht mehr Masse, sondern Leere. Hier wird verständlich, warum die Gattungsgrenzen von Brandmeiers Arbeiten so durchlässig und für die Raumrecherche nicht von Bedeutung sind. (...) Text: Anne Haun Link: www.artnet.de/magazine/features/haun/haun05-10-05.asp