Joscha Steffens, Teen Spirit Island-Diamond Prox, 2015, 60x80 cm, Pigment Print
Teen Spirit Island - Irelia, 2015, 300 x 203 cm
Viper

Joscha Steffens Fotografien und Videoarbeiten sind Bilder, die sich zwischen Dokumentation, Realität und Fiktion bewegen. Oft behandeln sie Formen von gespielter und inszenierter Gewalt. Reale Kriegsspiele mit Airsoft-Waffen oder digitale Parallel-Welten und virtuelle Schlachten, die in Echtzeit am Bildschirm für ein Millionen Publikum zu verfolgen ist. Dabei agiert Steffens nicht nur als Fotograf und stiller Beobachter, sondern ist auch immer wieder selbst Mitspieler. Für sein jüngstes Projekt Teen Spirit Island (2015) folgte er mehr als drei Jahre lang jungen Gamern der League of Legends – jenen Spielern, die an der Spitze der Gaming-Hierarchie stehen, in Gaming-Häusern leben, wie Popstars durch die Welt touren und durch das professionelle Computerspielen viel Geld verdienen. In der Dunkelheit versunkene Gesichter, hoch konzentriert und ausschließlich durch grelle Monitore angeleuchtet – neben dieser Portraitserie der Pro-Gamer der MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) entstand einige Jahre zuvor die Reihe OPFOR -  Wildboyz I-III  (2011/12).  Hierbei stellt Steffens ebenfalls Personen dar, die sich in einem realen Umfeld befinden, in militärischer Uniform gekleidet sind und in den Kampf gegeneinander antreten. Die Akteure sind  Veteranen  russischer Streitkräfte, die sich in paramilitärischen Gruppierungen organisieren und ein physisches Kampftraining in Form von ‚Wochenendspielen' absolvieren. Somit betreiben sie eine private Reanalogisierung der immer virtueller und auf Distanzwaffen beruhenden Kriegsführung. Mit dieser Vermischung von virtueller und realer Welt sowie Mensch und Avatar zeigen Joscha Steffens Bilder die Komplexität und Kraft des fotografischen Bildes über seine Grenzen der bloßen abbildenden Funktion der Wirklichkeit hinaus.