Sascha Weidner the presence of absence

08. November – 20. Dezember 2014

Sascha Weidner "Untitled" 2014, c-prints resin cast, 55 x 45 x 5 cm, unique

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Sascha Weidner zeigt in seiner Einzelausstellung in der Galerie Conrads Fotografien, Lightboxes und Objekte aus verschiedenen Werkserien, die 2013/2014 während seiner Aufenthalte in der Villa Kamogawa in Kyoto, im Three Shadows Photography Art Centre in Peking und in Berlin entstanden sind. Das Gemeinsame der formal unterschiedlichen Arbeiten ist der Aspekt von Abwesenheit. Der Ausstellungstitel "the presence of absence“ formuliert im Zusammenhang mit Fotografie einen Widerspruch in sich, der in der Ausstellung mit den Mitteln der Fotografie aufgelöst wird. 

Der erste Teil der Ausstellung "the presence of absence“ im Eingangsbereich der Galerie umfasst 20 Fotografien aus der Serie Aokigahara ????.
Die Werkgruppe über den Sterbewald Aokigahara entstand während Sascha Weidners Aufenthalt als Stipendiat des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa in Kyoto 2013. Wo hoch oben die Götter des Lichts thronen, da sind auch die finsteren Geister der Unterwelt nicht fern. Am Fuß des Fuji, dieses heiligen Bergs der Japaner, liegt der Wald Aokigahara. Er ist so dicht und finster, dass man sich schnell darin verlaufen kann, außerdem soll sein Untergrund eine spezifische Beschaffenheit haben, die dafür sorgt, dass der Kompass dort seinen Dienst versagt. Seit den 1960er Jahren kommen Lebensmüde in diesen Wald, um dort ihr Leben zu beenden. Hinter sich her ziehen sie Ariadnefäden, damit sie für den Fall, dass der Lebenswille doch noch den Todeswunsch überwiegt, wieder aus dem Wald herausfinden. Diesen Fäden, die den ganzen Wald durchziehen, ist der Fotograf Sascha Weidner mit seiner Kamera nachgegangen. Man hat ihn gewarnt, der Wald sei verflucht und Geister trieben dort ihr Unwesen. Aber die dunkle Faszination des Waldes überwog. Auf subtile Weise erzählen Weidners Bilder von diesem Ort, wo reales menschliches Leid und Motive aus der Welt des Mythos so seltsam ineinander verwoben sind. Die Bilder verzichten auf die offensive Abbildung von Tod und Verwesung, sie deuten nur an, tasten sich vorsichtig durch das gespenstische Gelände. Die Ausstellung »Aokigahara« ist so einerseits ein Bericht aus dem berüchtigten Selbstmordwald, in erster Linie aber eine fotografische Meditation über Licht und Finsternis, Leben und Tod, und die Fäden des Schicksals, die jeder von uns hinter sich herzieht. Text Aokigahara: Andreas Wolf/ Pavlov´s Dog.

Sascha Weidner (*1976 in Osnabrück) studierte Fotografie, Film und Malerei sowie Kommunikationsdesign an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig. 2004 war er Meisterschüler bei Prof. Dörte Eißfeldt. Mit der Unterstützung des DAAD arbeitete er 2004 und 2006 in Los Angeles. Sascha Weidner erhielt zudem das Stipendium für die Villa Kamogawa in Kyoto, Japan durch das Goethe-Institut im Jahre 2013, sowie in 2014 das Stipendium für das Three Shadows Photography Art Centre in Peking.

Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis des Kunstpreises Berlin 2010 der Akademie der Künste, dem Stipendium der Villa Vigoni, dem Stiftungspreis für Fotokunst 2011 der Alison & Peter Klein Stiftung, dem Förderpreis Fotografie der NBank und dem 1. Preis des internationalen Polaroidwettbewerbs. Er ist der erste Preisträger des 2013 ausgelobten Entrepreneur 4.0 Award. In seiner Arbeit geht es ihm um „die Suche nach dem Refugium, in dem Utopie die Realität inszeniert und Realität die Utopie“ (SW). 2012 wurde Sascha Weidner in die Deutsche Gesellschaft für Photographie berufen. Neben zahlreichen Publikationen wurden seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen weltweit präsentiert, so auch u.a. im C/O Berlin, dem Foam in Amsterdam, der OpenEye Gallery in Liverpool, im FO.KU.S in Innsbruck, den Deichtorhallen in Hamburg, dem Ludwig Museum in Budapest, dem Photofestival in Knokke-Heist, dem Museum für Photographie in Braunschweig und dem Australian Centre for Photography in Sydney.