Genie, installation view Kunstmuseum Bonn 2008
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Kaefig from series Genie, installation view Kunstmuseum Bonn 2008
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„An Jana Gunstheimers Werk verblu?fft zunächst die Vielfalt der bildnerischen Mittel, deren Möglichkeiten oftmals u?ber die Grenzen der Gattungen hinweg anderen Bereichen zugute kommen. Vornan steht die Malerei auf Papier, deren dunkle Töne die gespenstischen Szenerien in weiche Valeurs tauchen. Das Werk reicht von raumgreifenden Installationen bis hin zu fiktionalen 'Rahmenhandlungen' in denen die Ku?nstlerin aus einer Schattenwelt berichtet, die Realität suggeriert, diese jedoch nicht nachbildet. Gleichwohl sind die Arbeiten, welche stets Erzählung und Analyse gekonnt vereinen, dicht an der sozialen Wirklichkeit und zweifellos von dieser inspiriert ohne jedoch der Gefahr einer gesellschaftspolitischen Abrechnung zu erliegen.

Ästhetische Qualität und formale wie inhaltliche Konsequenz bilden in Jana Gunstheimers Werk eine Einheit, die immer wieder auch in komplexen Verweisen der Arbeiten untereinander angelegt ist. Fu?r ihre ku?nstlerische Arbeit nutzt sie die Welt als Reservoir unentdeckter Möglichkeiten und spu?rt das Verborgene und Geheimnisvolle auf. Die Realität entpuppt sich dabei als Konglomerat labyrinthischer Räume, deren Leere so verlässlich wie trostlos ist.“ (Susanne Altmann, Dresden 2006)


Gezeigt werden u.a. zwei großformatige Arbeiten aus der Werkgruppe „Genie“, deren Titel zum einen auf das Phänomen einer ungewöhnlichen Begabung verweist. Zum anderen liegt die Assoziation mit dem 1970 in Los Angeles entdeckten so genannten Wolfskind namens Genie nahe. Dieses Kind verbrachte seine Kindheit festgeschnallt auf einem Stuhl, konnte nicht sprechen, kaum laufen und reagierte auf seine Umwelt nur schwach. Das Wolfskind mit seinem an Kaspar Hauser erinnernden Schicksal wurde nach seiner Entdeckung unzähligen psychologischen Tests und Behandlungen unterzogen, die jedoch keinerlei Wirkung zeigten.

Jana Gunstheimer betont ausdrücklich, dass ihre Arbeit sich auf keine der beiden Verweise unmittelbar festlegen lässt. Entscheidend für die Künstlerin ist das diffus unbehagliche Gefühl, das diese Geschichte beim Leser auslöst. Denn an keiner Stelle erfährt man, um was für eine Art von Mensch es sich bei Genie handelt, es gibt lediglich Hinweise auf außergewöhnliche Fähigkeiten wie auch auf ein völlig gestörtes Verhalten. (...) So unterschiedlich Jana Gunstheimers Arbeiten auch erscheinen, thematisieren sie doch immer wieder dieselben Beobachtungen und Mechanismen, die als Grundlage ihrer Werke dienen: die Medien und die Rolle, die sie in unserer Gesellschaft spielen, sowie die Verschränkung von Privatheit und Öffentlichkeit. Aufgrund ihrer Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit spielen Gunstheimers Arbeiten stets mit möglichen Realitäten, indem sie geschickt aktuelle Ereignisse aufgreifen und diese mit frappierender Logik ins Reich des Erfundenen weiterspinnen. (...)

Dabei nutzt Gunstheimer die Mittel der Ironie und des schwarzen Humors in einer solch feinen Dosierung, dass Fiktion und Erdachtes nicht unmittelbar sichtbar werden, sondern als brillante künstlerische Formulierungen in diesem Spiel mit Absurditäten irritieren und amüsieren. (Ulrike Groos 2008)